School must go on

School must go on

Digitalisierung in Schulen

Digitalisierung zur Verbesserung der Lebensqualität – über den Digital-Vorreiter Estland mit Tobias Koch

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Tobias Koch lebt und arbeitet seit sechs Jahren in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Er war in der Zeit bei verschiedenen IT-Firmen angestellt und ist Digitalisierungsberater für Regierungen, Verwaltungen und Privatfirmen. Im Podcast „School must go on“ spricht der gebürtige Berliner über Estlands Weg zum digitalen Vorreiter, inwiefern die Schule dabei berücksichtigt wurde und die Rolle der Zusammenarbeit zwischen dem Staat und privaten Unternehmen.

– Estlands Weg zur Informationsgesellschaft –

Seit seiner Unabhängigkeit vor 30 Jahren habe Estland stark auf Informationstechnologie in der öffentlichen Verwaltung gesetzt. „Estland hatte es zum politischen Projekt gemacht und es konsequent durchgesetzt, eine digitale Gesellschaft zu werden“, so Tobias Koch. Dafür habe das estnische Parlament schon Ende der 90er-Jahre ein Dokument verabschiedet, das den Fahrplan festlegen sollte. „Da steht unter anderem drin, dass Estland eine Informationsgesellschaft werden möchte, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern“, erklärt der gebürtige Berliner. „Im Mittelpunkt stehen vor allem grundlegende Technologien, die die Voraussetzungen geschaffen haben, damit Estland eine digitale Gesellschaft sein kann.“ Mittlerweile habe man sich dadurch einen international anerkannten Stellenwert erarbeitet: „Man geht gerne nach Estland, um Experten zur Digitalisierung zu befragen und die im eigenen Land in die Spur zu bringen“, sagt Tobias Koch.

– 90er-Jahre: Computer an den Schulen –

Die Fokussierung auf die Informationstechnologie habe sich auch an den Schulen bemerkbar gemacht. „Es gab ein staatliches Programm, der sogenannte Tigersprung, Ende der 90er-Jahre, welches sich zum Ziel gemacht hat, alle Schulen mit Computern auszustatten“, berichtet Tobias Koch. „Es war schon damals eine hohe politische Priorität, dass auch Schulen mit Computern ausgestattet werden und WLAN eingeführt wird.“ Dadurch habe Estland 2001 sein selbstgewähltes Ziel erreicht, alle Schulen ans Internet anzuschließen.
„Dieser Gestaltungswille, der Wille einen Unterschied zu machen, sich weiterzuentwickeln, das sehe ich als Alleinstellungsmerkmal von Estland“, so der IT-Experte.

– Alle wollen die digitale Gesellschaft mitgestalten –

Der estnische Staat nehme in dem Prozess der stetigen Digitalisierung zwar eine aktive Rolle ein, indem er einen politischen Rahmen schafft, jedoch arbeite er dabei auch viel mit Privatfirmen zusammen und hole sich von ihnen Rat ein. „Die Unternehmen haben auch ein Interesse daran, an der digitalen Gesellschaft mitzuwirken. Dabei gehe es nicht automatisch um eigennützige Interessen“, erklärt Tobias Koch. „Eine Gesellschaft besteht nicht nur aus dem Staat, sondern auch aus den ganzen Akteuren, die darin sind und alle haben Interesse daran, Estland kontinuierlich voranzubringen.“ Auch dies unterscheide Estland bei der Digitalisierung von anderen Ländern.
„Es gibt hier einen starken Wettbewerb zwischen Softwareentwicklungshäusern und sie haben schon einen entscheidenden Einfluss auf die Richtung, die die öffentliche Hand letztendlich vorgibt.“

Außerdem spricht Tobias Koch über die estnische ID-Karte und digitalen Unterricht in Estland.

Bitten der Regierung statt klarer Vorgaben – über die Deutsche Schule Tokyo während Corona mit Wolfram Schrimpf

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Wolfram Schrimpf ist Schulleiter an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama. Bevor er dieses Amt 2018 übernahm, ist er als Schulleiter in Leverkusen und in Schanghai tätig gewesen. Im Podcast „School must go on“ spricht Wolfram Schrimpf über den Umgang mit den Schulschließungen aufgrund der Pandemie, die daraus resultierenden Erkenntnisse in Bezug auf den Unterricht und den kollegialen Austausch zwischen Lehrkräften.

– „Wir waren auf die Schulschließungen nicht vorbereitet.“ –

Als im Frühjahr 2020 die Corona-Zahlen in Tokio stiegen, habe die Regierung die Schulen gebeten zu schließen. „Es war dann relativ schwierig, weil wir keine konkreten Vorgaben hatten, sondern nur die Bitte der Regierung“, erklärt der Schulleiter. „Das Gesellschaftsverständnis in Japan ist, dass man sich an die Bitten hält, aber es gibt kein klassisches Kontrollsystem. Es besteht eher eine gesellschaftliche Kontrolle.“
Die Schulen seien nicht vorbereitet gewesen und mussten innerhalb von einer Woche ein System entwickeln, um den Unterricht fortführen zu können. „Man hatte keine Zeit, mit den Schüler*innen und einer Lernplattform zu üben, aber wir wollten von Anfang an irgendwie Unterricht machen“, so Wolfram Schrimpf. „Uns blieb nichts anderes übrig, als möglichst schnell möglichst viel mitzunehmen, auszuprobieren und sich auszutauschen, um möglichst viel dazuzulernen, wie Unterricht am besten funktioniert unter den Umständen.“

– Erkenntnisse aus den Schulschließungen –

„Unsere Prämisse nach der ersten Schulschließung war: Möglichst in Präsenz, möglichst lange zu unterrichten während der verschiedenen Wellen“, resümiert der Pädagoge. Es habe unter anderem eine strikte Trennung der verschiedenen Bereiche Kindergarten, Grundschule und Gymnasium gegeben, um das zu ermöglichen.
Man habe aus den ersten drei Monaten viel gelernt, wie man mit digitalen Medien unterrichten kann und habe diese Erkenntnisse auch in den Präsenzunterricht integriert. „Zusätzlich zu digitalen Medien im Unterricht hat sich auch die Meetingkultur verändert. Viele Meetings und Treffen finden seither nur noch online statt. Das erleichtert für alle das Zusammenkommen.“

– Kollegialer Austausch, auch von zu Hause –

„Wir hatten genau einen Tag, um das Kollegium nochmal zusammenzubringen und haben dann von morgens bis abends Schulungen und Einführungen gemacht“, erklärt Wolfram Schrimpf. Als danach alle von zu Hause unterrichtet haben, habe man gemerkt, dass es nicht nur darum geht, die technischen Bedingungen herzustellen, sondern auch um den kollegialen Austausch. Dieser sei schwieriger, wenn alle zu Hause sind.
„Wir haben das Kollegium, inklusive des Schulleitungsteams, in Kleingruppen aufgeteilt, welche sich regelmäßig für Feedback-Gespräche zusammengesetzt haben. Es wurde gefragt: Wie läuft es? Wo sind Schwierigkeiten? Was braucht ihr noch? Wo ist noch Bedarf?“ Danach habe sich dann das Schulleitungsteam zu den verschiedenen Anmerkungen ausgetauscht. Auf dieser Grundlage habe man dann entsprechende Angebote, Fortbildungen oder Plattformen organisiert.

Außerdem spricht Wolfram Schrimpf über die japanische Einstellung zur Bildung und den daraus resultierenden Druck für die Kinder, die Ausstattung mit digitalen Endgeräten in den Familien und die soziale Interaktion zwischen den Schüler*innen während Corona.

Politisches Engagement vs. Chancenarmut – über die aktuelle Generation junger Menschen mit Klaus Hurrelmann

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Klaus Hurrelmann ist „Professor of Public Health and Education“ an der Hertie School und bereits seit vielen Jahren in der Kindheits- und Jugendforschung tätig. Unter anderem war er zwölf Jahre lang Direktor eines Forschungszentrums für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter an der Universität Bielefeld. Darüber hinaus hat er im Laufe seines Lebens an diversen Publikationen zu den Themen Kindheit, Jugend und Bildung mitgewirkt und 2020 das Buch „Generation Greta“ veröffentlicht.
Im Podcast „School must go on“ spricht Klaus Hurrelmann über seine Erkenntnisse zur sogenannten „Generation Greta“, wie es dazu kommt, dass Jugendliche in unserem System abgehängt werden und welche Veränderung im Schulsystem ihnen helfen könnte.

– Ungewöhnlich optimistische Grundstimmung unter jungen Leuten –

„Die wertmäßige Orientierung, die die jungen Leute haben, ist ganz stark abhängig von den Lebensbedingungen und den Chancen, die sie haben, sich selbst zu entfalten. Das gilt insbesondere beruflich“, erklärt der Jugendforscher. Die sogenannte „Generation Greta“ konnte sich in ihrer sensiblen Jugendphase sehr sicher sein, dass sie eine Ausbildung bekommt und einen Beruf ausüben kann. Das habe zu einer ungewöhnlich optimistischen Grundstimmung geführt. „Die Generation kann es sich leisten, politisch zu werden und an die Zukunft zu denken“, so Hurrelmann. Diese Verantwortungsübernahme heutzutage sei auffällig. „Ein Teil der jungen Leute nimmt also keine existenzielle Risikosituation für sich im wirtschaftlichen und beruflich Bereich wahr. Der andere Teil ist nicht in der Lage, sich so uneigennützig politisch zu betätigen. Die Metapher ‚Generation Greta‘ passt also nicht für die ganze Generation der jungen Leute heute, sondern nur für ein paar.“ Insgesamt gebe es im Moment eine große Spannbreite an Positionen in der jungen Generation.

– Chancenarmut in einer reichen Gesellschaft –

Entscheidend dafür, wo man sich in dieser Spannbreite von Positionen befinde, sei die Chance auf einen Beruf. Diese hängt wiederum stark von der schulischen Erfolgsbilanz ab. „Über 50 % der jungen Leute schaffen heutzutage das Abitur. Wenn du das als junger Mensch nicht schaffst, dann bist du schon in der Gefahr, dich subjektiv als einen Menschen wahrzunehmen, der den Standards nicht entspricht“, erklärt Klaus Hurrelmann. Die Anforderungen seien hoch und steigen weiter. Die Mehrheit der jungen Leute könne hierbei mithalten. Für die, die das nicht schaffen, werde die Luft aber immer dünner. „Das Gefühl, was dann entstehen kann, in einer reichen Gesellschaft keine Möglichkeiten zu haben, eine Chancenarmut zu haben, ist ganz bitter und kann ein unterschwelliges Protestpotenzial mit sich bringen“, so der Jugendforscher. „Als Gesellschaft kriegen wir es nicht hin für diese jungen Leute angemessene Plätze zu präsentieren, die ihnen ein spannendes, würdiges persönliches und berufliches Leben ermöglichen. Hier liegen echte politische Herausforderungen für die nächsten Jahre.“

– Alle Abschlüsse an einer Schule –

Eine mögliche Lösung für die Problematik rund um das Abitur könnte sein, dass Gymnasien Schulen werden, an denen man alle Abschlüsse machen kann. „Es gibt dann nach der Grundschule nur noch eine Schulform. Das Gymnasium wird zu der Gemeinschaftsschule, von der man dachte, dass man sie neben dem Gymnasium aufbauen müsste“, so Klaus Hurrelmann. So entscheide man dann nicht nach der Grundschule durch die Schulauswahl, ob jemand die Chancen hat, das Abitur zu machen oder nicht. Außerdem müsse es eine noch stärkere Profilierung der Schulen geben, sodass es ganz individuelle Schultypen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten gibt. „Wertvoll wären unterschiedliche Schulen im Wettbewerb miteinander, die sich nicht mehr durch die Schulform unterscheiden, sondern durch ihr Programm. Man hätte dann ein lebendiges und offenes Schulsystem, das so vielfältig ist, dass es alle anspricht, insbesondere auch die Schwächeren.“

„Viele Schüler/-innen arbeiten kaum noch handschriftlich“ – über Schule in Norwegen mit Anja Pietzuch

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Anja Pietzuch lebt seit 2011 in Norwegen und hat dort seit 2014 einen festen Job als Lehrerin für Deutsch und Spanisch. Darüber hinaus engagiert sie sich als stellvertretende Vorsitzende im „TYSKFORUM“, welches die wichtigste Interessenorganisation für Deutsch-Lehrende und andere Deutsch-Expert/-innen in Norwegen ist.
Im Podcast „School must go on“ spricht Anja Pietzuch über das Schulsystem in Norwegen, Unterricht während Corona und den Fortschritt in der Digitalisierung.

– Mindestens 12 Jahre Schule für alle Schüler/-innen –

„In Norwegen besucht man je nach Alter unterschiedliche Schultypen“, erklärt die Lehrerin. Es gibt eine sogenannte Kinderschule, die bis zur 7. Klasse geht. Danach besucht man 3 Jahre lang eine Mittelschule und im Anschluss kann man sich auf bestimmte Studienprogramme an weiterführenden Schulen bewerben. „Bei den Programmen gibt es zwei unterschiedliche Typen: studienvorbereitende und berufsvorbereitende Programme“, so Anja Pietzuch. Das Besondere sei dabei, dass alle Schüler/-innen, unabhängig von dem gewählten Programm, in der selben Schule sind. „Das politische Ziel hinter dem System ist, dass alle mindestens 12 Jahre Schule haben. Wenn man diese weiterführende Schule nicht beendet hat, hat man es auf dem Arbeitsmarkt schwer.“

– So viel Präsenzunterricht wie möglich –

Es gibt viele lokale Corona-Maßnahmen in Norwegen. In manchen Gegenden, mit einer geringen Fallzahl, finde ganz normal Präsenzunterricht statt, während in Regionen wie Oslo, die als Ansteckungsherd gelten, ein gemischter Schulalltag durchgeführt werde. „An manchen Tagen lernt man dann zu Hause und an manchen Tagen in der Schule. Man versucht dadurch die Anzahl der Schüler/-innen, die gleichzeitig in der Schule sind, möglichst gering zu halten“, berichtet Anja Pietzuch. „Die generelle Meinung der Regierung ist, dass so viel Präsenzunterricht wie möglich stattfinden soll, weil es für das Wohlbefinden und die soziale Entwicklung der Schüler/-innen so wichtig ist. Außerdem ist der Unterricht, nach Meinung der Regierung, besser, wenn er in Präsenz stattfindet“, so die Lehrerin. Viele Lehrkräfte seien damit nicht einverstanden und kritisieren, dass sie diejenigen sind, die der Ansteckung in der Schule ausgesetzt sind. „Mein Eindruck ist, dass viele Lehrer/-innen sich wünschen würden, sie könnten mehr Einfluss darauf nehmen.“

– Jede/-r Schüler/-in bekommt vom Staat einen Laptop –

„Ich finde, dass es in Norwegen mit der Digitalisierung relativ extrem ist. Es gibt mittlerweile schon reine iPad-Klassen in der Grundschule, die schon ab der 1. Klasse keine Lehrbücher mehr haben, sondern nur am Tablet arbeiten“, kritisiert Anja Pietzuch. Ab der Mittelschule habe fast jede/-r Schüler/-in einen eigenen Laptop. An der weiterführenden Schule muss sogar jede/-r einen haben. „Dafür gibt es auch staatliche Unterstützung. Der Staat zahlt jeder/-m Schüler/-in das Geld für den günstigsten Laptop zurück. Wenn man einen teureren will, muss man die Differenz selbst zahlen“, erklärt die Pädagogin. Daher laufe so viel Unterricht über die Laptops, wodurch man jedoch Konzentrationsprobleme bei den Schüler-/innen beobachten könne. „Selbst im Präsenzunterricht ist es sehr verführerisch, Dinge zu tun, die nichts mit dem Unterricht zu tun haben. Man merkt, dass das was mit der Aufmerksamkeitsspanne der Schüler/-innen macht“, so Anja Pietzuch. Darüber hinaus gerate das handschriftliche Notieren von Informationen oder das Erstellen von Übersichten dadurch in Vergessenheit. „Viele Schüler/-innen arbeiten kaum noch handschriftlich.“

Außerdem spricht Anja Pietzuch über die verschiedenen digitalen Tools und darüber, welche Rolle sie im Online-Unterricht einnehmen. Sie spricht über Datenschutz in Norwegen, Prüfungen in einem Land mit weit fortgeschrittener Digitalisierung und über das Lehrkräftedasein in Norwegen.

Von Auslandsschulen profitieren alle Beteiligten – ein Gespräch mit Thilo Klingebiel

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Thilo Klingebiel ist seit 2010 Geschäftsführer des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen. Zuvor war der der Bildungsmanager (MBA) und Non-Profit-Manager (VMI) 5 Jahre als Gymnasiallehrer und Projektleiter an der Deutschen Schule Shanghai sowie Bereichsleiter bei Bundesliga.de. Aufgrund seiner Erfahrungen schaut er aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Bildung.
Im Podcast „School must go on“ spricht Thilo Klingebiel über die Kombination aus Schulträgerautonomie und deutschen Standards, den Begegnungscharakter der Auslandsschulen und inwieweit alle Beteiligten von den Schulen profitieren.

– Weltweite Schulträgerautonomie mit deutschen Standards –

Es gibt derzeit weltweit 140 anerkannte deutsche Auslandsschulen, an denen ca. 80.000 Schüler/-innen unterrichtet werden. „Die freien Schulträger finanzieren sich zu 70 Prozent selber aus den Schulgebühren“, erklärt der Verbandsmanager. Durch das Auswärtige Amt erhalten die Schulen darüber hinaus im Rahmen der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sowohl eine finanzielle als auch eine personelle Förderung, die durch das Auslandsschulgesetz geregelt wird. „Jede Deutsche Auslandsschule hat eine/-n Schulleiter/-in aus dem öffentlichen Schulsystem, der mit dem ehrenamtlichen Vorstand aus dem jeweiligen Land zusammenarbeitet“, so Thilo Klingebiel. „Man hat somit Schulen, die auf der einen Seite autonom sind und eine große wirtschaftlich strategische Freiheit haben, und auf der anderen Seite gibt es eine gewisse Zentralsteuerung und deutsche Standards." Diese Mischung sei eine sehr gute Kombination und habe auch Auswirkungen auf die Lehrkräftekultur, da vermittelte Lehrer/-innen aus Deutschland mit den beim Schulträger angestellten Lehrkräften zusammenarbeiten. Dadurch entstehe ein toller Spirit und eine besondere Qualität.

– „Begegnungen schaffen & zusammen bringen“ –

„Dass 75 Prozent der Schüler/-innen nicht-deutsch sprechende Eltern haben, ist Ausdruck der zentralen Aufgabe dieser Schulen: Begegnungen schaffen und zusammen bringen“, erklärt der ehemalige Lehrer. Es gebe zwei Schultypen: Zum einen Begegnungsschulen, bei denen vorwiegend Kinder aus der Region zur Schule gehen und an die deutsche Kultur herangeführt werden und zum anderen Schulen, deren Schülerschaft sich hauptsächlich aus Kindern aus Deutschland zusammensetzt. „Es gibt also diese zwei Teile: Erstens ein starker Begegnungscharakter und zweitens der klare Auftrag, deutsche Kinder, deren Eltern im Ausland arbeiten, zu beschulen und ihnen die Rückkehr zu ermöglichen.“

– „Tripple-Win“ durch Auslandsschulen –

„Wir sehen anhand einer durchgeführten Studie, dass große Teile der Absolventen von deutschen Auslandsschulen ein eigenes Geschäft aufbauen, Entrepreneure werden, die sich teilweise dann auch wieder in ihrem Land in den eigenen Schulvorständen engagieren. Der Kreis schließt sich dann also auch“, erklärt der Geschäftsführer. „Das ist, was wir wollen. Dass wir Leute mit den Eindrücken aus der deutschen Herangehensweise in ihre eigene Kultur wieder zurückbringen.“ Es gebe also einen „Tripple-Win“ für das Sitzland, für Deutschland, weil wir auch von anderen Systemen etwas lernen können, und für die Absolventen.

Außerdem spricht Thilo Klingebiel über Schule in China, Elternbeteiligung, die Rolle des Verbandes bei der Schul- & Organisationsentwicklung sowie Digitalisierung in der Bildung.

Weitere Infos: www.auslandsschulnetz.de & www.lehrer-weltweit.de

„Prüfungen und Noten beenden Lernprozesse“ – Über die Prüfungs- & Bewertungskultur im Schulsystem mit Philippe Wampfler

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Philippe Wampfler ist Lehrer und Dozent in der Schweiz und hat als Autor schon diverse Bücher zum Thema Bildung geschrieben. Sein Interesse und Engagement im Bereich Schule ist vielseitig. Aktuell engagiert sich Philippe Wampfler am Institut für zeitgemäße Prüfungskultur.
Im Podcast „School must go on“ spricht er über die Problematik von Prüfungen und Noten, die begrenzte Prognosefähigkeit der Schulen und darüber, wie Feedback die Kompetenzentwicklung unterstützen könnte.

– Das Problem hinter Prüfungen & Noten –

„Ich habe lange gedacht, dass Digitalisierung der Hebel ist, mit dem sich Schulen verändern ließen“, erklärt der Deutschlehrer. Er habe jedoch festgestellt, dass andere Dinge eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Bildung spielen. „Prüfungen und Noten beenden Lernprozesse. Schüler/-innen hören auf zu lernen und das, was sie eigentlich interessiert, interessant zu finden. Stattdessen fokussieren sie sich auf das, was geprüft wird“, sagt Philippe Wampfler. So sehe man beispielsweise im Vorschulalter, dass Lernen etwas Lustvolles sei. Das sollte nicht aufhören. Außerdem seien Prüfungen und die damit einhergehenden Benotungen in jedem Fach willkürlich: „Das was so objektiv, so sachlich daher kommt, ist zutiefst unfair, verzerrt und problematisch!“

– Die Prognosefähigkeiten der Schulen sind beschränkt –

Das Problematische an dem derzeitigen Bewertungssystem sei, dass eine andere Person einem sage, wie gut man etwas gemacht hat, anstatt auf das eigene Gefühl zu der Aufgabe zu hören. „Man entmündigt die Lernenden. Sie müssen in der Lage sein, sofort ihr Lernen reflektieren zu können. Stattdessen nimmt man ihnen diese Autonomie und gibt sie jemand anderem“, kritisiert der Schweizer.
Außerdem sei problematisch, dass bei schlechten Leistungen automatisch die Prognose gestellt werde, dass einer Person das entsprechende Fach nicht liegt. Dabei gäbe es hier keinen Zusammenhang zwischen Leistung und Interesse. „Es hilft niemandem, gesagt zu bekommen ‚Das liegt dir nicht‘, wenn es einen doch interessiert“, so Philippe Wampfler. „Die Prognosefähigkeiten von Schulen, abhängig von den Fächern und dem Unterricht, sind sehr beschränkt.“ Besser sei es, mit den Schüler/-innen Wege zu finden, wie sie sich weiter für die Fächer interessieren und wie sie vorankommen können, ohne die Kränkung und ohne den Vergleich durch die Benotung.

– Feedback statt Bewertung –

Wenn man über eine Alternative zum aktuellen Prüfungs- und Bewertungssystem nachdenkt, müsse Feedback im Vordergrund stehen. „Leistungsmessungen dienen dazu, Hinweise zu geben, wie ein/-e Schüler/-in sich verbessern und Ziele erfüllen kann. Es geht nicht darum, dass man bewertet wird, sondern Hinweise bekommt, wie man sich verbessern kann“, erklärt Philippe Wampfler. In solchen Feedbacks gehe es darum, Selbst- und Fremdwahrnehmung in einen Bezug zu setzen. Subjektivität sei dabei also kein Problem, da von Beginn an deutlich sei, dass Wahrnehmungen geschildert werden. „Prüfungen, wie sie derzeit stattfinden, lassen Schüler/-innen im Stich in Bezug auf dieses Entwickeln von Kompetenzen und Geben von Hinweisen. Sie sagen einem: ‚Du kannst das nicht, hast ne 5 bekommen, aber hier ist der nächste Inhalt‘“, so der Deutschlehrer. Man müsse das kompetenzorientierte Lernen stärken, anstatt sich ausschließlich auf das Vermitteln von Inhalten zu versteifen. Dies könne man mit solchen Feedbacks und Gesprächen als Ersatz für die Zensurbewertungen ermöglichen.
Außerdem müsse der Fokus auf dem Herstellen von Lernprodukten liegen. „Ich kann auch zeigen, was ich gelernt habe, indem ich überlege ‚Was könnte ich mit dem machen, was ich gelernt habe‘“, erklärt der Buchautor. In der Schule der Zukunft gehe es darum, viele Lernprodukte herzustellen, anstatt viele Prüfungen zu schreiben.

Außerdem spricht Philippe Wampfler über Lehrpläne, Digitalisierung an Schulen in Zeiten der Digitalität und Unterschiede zwischen dem Schweizer und dem Deutschen Schulsystem.

“A lot of private players have moved into education” – about school in India with Supriya Atal

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Supriya Atal is the director of studies at the Bombay International School in India. She started working in education 15 years ago and has ever since witnessed the remarkable development of the Indian education system..
In the podcast “School must go on” Supriya Atal talks about the role of private players in education in India and the different curricula at international schools.

– Number of international schools is growing –

“Historically, the state has always tried to manage schooling in most parts of India,” Supriya Atal explains. Private players saw poor benchmarks and very poor quality of education and realized that there is a huge opportunity. “In the last 20 years, a lot of private players have moved into education in India,” sums up the director of studies. In 2005 there were only three international schools in Mumbai, while today there are 50 and the number is still growing. “The parents started getting aware of the fact that if their children go to an international school they have greater opportunities,” Supriya Atal says. “In other aspects the infrastructure in Mumbai has not changed, but in education there was a huge development.”

– Curricula at international schools –

The Cambridge curriculum and the International Baccalaureate curriculum (IB) are the most represented in India. “The Cambridge model is economically extremely attractive,” Supriya Atal explains. It is a very low cost curriculum, the assessment model is simple, all fees are very cheap and teacher training is moderately priced, she says. “It’s an easy and small transition and it’s incredible how beautiful it runs!” Overall, the Cambridge curriculum works like an autopilot for schools and teachers and it has a more traditional understanding of subjects, tests, and skills.

“The IB actually defines the purpose of education as development of the learners’ profile, so basically working on students' values and attributes,” the education expert says. In the context of IB, approaches to teaching and learning (ATL) were formulated. “These approaches have two parts: First, the approaches to learning skills like self-regulation, communication, academic writing and research – they call these the 21st century skills. Beyond that, the approach to teaching defines the pedagogic. It is basically telling you that in order to develop these skills in our students we need to have pedagogic skills like conceptual learning, inquiry based learning, formative assessments and collaborative platforms,” Supriya Atal explains. “These approaches are extremely seductive for the teacher, because it's so exciting to read!”

The US curriculum is not as common in India because it does not have a board exam in 10th grade. “When there is no top up board exam at grade 10 parents in India will not like it and will question its validity. It’s hard to break that believe system,” the director of studies says. “Otherwise, it's an internal assessment programme, which allows good schools a lot of autonomy and freedom to really drive contemporary education.”

Supriya Atal also talks about school during and after the pandemic, academic regression due to school closures, the National Education Policy 2020 in India, the development of state schools and the role of social aspects in school.

„Lehrkräfte wurden hier heroisiert in dieser Zeit“ – Über Schule in Australien mit Eva Baker

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Eva Baker ist stellvertretende Institutsleiterin des Goethe-Instituts in Melbourne, Australien. Sie hat eine 9-jährige Tochter, die die deutsche Schule in Melbourne besucht und die während des Lockdowns im Homeschooling lernen musste.
Im Podcast „School must go on“ spricht Eva Baker über digitale Infrastruktur, Datenschutz und die Rolle der Lehrer/-innen in Australien.

– Gute digitale Infrastruktur –

In Australien habe es schon vor Corona eine gute digitale Infrastruktur gegeben, sagt Baker. „An der Grundschule meiner Tochter wurde schon länger mit einer App gearbeitet. In der Schule wurde diese zusätzlich zu Tablets und Whiteboards in den Unterricht integriert, sodass der Umgang damit für die Kinder vertraut war“, erklärt die Mutter. Das Übergehen ins Homeschooling sei daher keine große Umstellung gewesen, da die Lehrkräfte über die App Wochenpläne erstellen, Sachen hochladen und Aufgaben korrigieren konnten. Zusätzlich habe es ein Konferenz-Tool gegeben, welches im Lockdown eingeführt wurde. „Die Kinder hatten darüber morgens einen Check-in, bei dem sie Kontakt mit ihrer Klasse und ihrer Lehrkraft hatten. Der Fokus lag dabei sehr auf dem sozialen Aspekt. Die Kinder konnten in Breakout-Rooms gehen und gemeinsam sprechen und spielen. Bei uns war es Zoom, aber das war ganz verschieden von Schule zu Schule“, berichtet Eva Baker.

– Datenschutz: Nicht so eine Skepsis wie in Deutschland –

In Australien gebe es nicht so viele Diskussionen über Datenschutz, wie das in Deutschland der Fall sei. „Das Department of Education macht manchmal Vorgaben, welche Software genutzt werden kann und welche nicht. Manchmal müssen Softwares auch von ihm genehmigt werden, aber in der Regel ist die Wahl der Software sehr frei und offen“, so die stellvertretende Institutsleiterin. Entscheidend bei der Genehmigung einer neuen Software sei beispielsweise, dass sie passwortgeschützt ist und Schüler sich nicht jederzeit einloggen können, sondern nur, wenn ein Betreuer auch eingeloggt ist. „Die Australier sind erstmal allem positiv gegenüber eingestellt. So eine Skepsis, wie ich das in Deutschland erlebe, gibt es hier nicht. Die Grundeinstellung hier ist eine andere und das überträgt sich nicht nur aufs Thema Datenschutz, sondern auf verschiedene Bereiche des Lebens.“

– Das Lehrer-Dasein in Australien –

„Lehrer/-innen in Australien verstehen sich eher als Lernbegleiter“, berichtet Eva Baker. Sie seien jemand, der den Kindern Impulse gebe, diese die Aufgaben aber für sich lösen. Anschließend werde dann geschaut, ob die Schüler/-innen das Thema verstanden haben und wo die jeweilige Lehrkraft noch unterstützen kann. „Das ist das Gegenteil von Frontalunterricht.“ Das sei jedoch nicht der einzige Unterschied zu Deutschland.
„Ich bin manchmal irritiert, wie oft in Deutschland über Lehrkräfte geschimpft wird. Wie ihnen nachgesagt wird, dass sie nur faul waren in den Ferien und nicht vorbereitet waren“, so Eva Baker. Das sei in Australien anders. „Lehrer/-innen wurden hier sehr heroisiert in dieser Zeit, es wurde anerkannt, was sie leisten“, erklärt sie. So habe der Premierminister des Staates, in dem Eva Baker mit ihrer Familie lebt, in seinen Ansprachen den Lehrkräften explizit gedankt. Auch die Eltern im Homeschooling haben festgestellt, was die Lehrkräfte alles leisten. „Lehrer/-innen sind hier sehr anerkannt, anders als in Deutschland. Ich sehe da einen großen Unterschied!“

Darüber hinaus spricht Eva Baker über das australische Schulsystem, „Distance Learning“, synchronen und asynchronen Unterricht, wie die Ausstattung mit Geräten abläuft, Benachteiligungen bei der Digitalisierung, ob die Pandemie das Lernen nachhaltig verändert hat, das Projekt „Enterprise German“ und den Podcast „Superfrauen“.

- Enterprise German: https://www.goethe.de/ins/au/en/spr/unt/kum/cli/cli/unt.html

- Podcast: https://www.goethe.de/ins/au/de/spr/unt/kum/gen/sup.html?wt_sc=superfrauen

Kollaboration, Austausch & Internet als Betrugsversuch – Über Barcamps, Partizipation & Prüfungen mit Dejan Mihajlović

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Dejan Mihajlović ist seit über 18 Jahren Lehrer, Vorstandsmitglied bei „D64 - Zentrum für Digitalen Fortschritt“, für Baden-Württemberg in der Lehrerfortbildung tätig und wirkt am Institut für zeitgemäße Prüfungskultur mit. Mit diesen und vielen weiteren Tätigkeiten rund um das deutsche Bildungssystem versucht er, Bildung in Deutschland voranzubringen.
Im Podcast „School must go on“ spricht Dejan Mihajlović über Barcamps an Schulen, Skepsis unter Lehrkräften und darüber, wie Prüfungen ein Hindernis für Veränderungen sind.

– Ein Schultag als Barcamp –

„Ich bin der Überzeugung, dass wenn man sagen würde, Schulen organisieren sich wie ein Barcamp, bei dem die Schüler/-innen jeden Tag bestimmen können, woran sie arbeiten möchten, sie am Ende ihrer Schulzeit nicht weniger wüssten und könnten als jetzt“, erklärt der Realschullehrer. Er geht sogar noch weiter und sagt, dass alles, was sie dabei lernen würden, noch viel wirksamer und nachhaltiger verankert wäre als es jetzt der Fall sei. „Solche Prozesse muss man langsam initiieren, damit man die Schulen nicht überfordert mit dem Veränderungsprozess, aber ich glaube, dass sie möglich sind“, sagt Dejan Mihajlović. Beispielsweise könne man zunächst mit einem Testlauf an einem Schultag starten, irgendwann zu einmal pro Monat übergehen und schließlich einen Schultag pro Woche so gestalten.

– Den Spirit an die Schulen bringen –

Es sei Quatsch, zu glauben, dass so eine Idee, wie mit den Barcamps, in Form von schulinternen Fortbildungen nur die Lehrer/-innen erreicht, die man auch über Twitter erreichen würde. „Dass aktuell Dinge nicht funktionieren und man Sachen ändern muss, das sehen viele und auch die Lehrkräfte, die nicht im Internet ihre Meinung kund tun“, so Dejan Mihajlović. An jeder Schule, an der er bislang solche Barcamps durchgeführt habe, habe es Skeptiker gegeben und fast immer sei insbesondere bei dieser Gruppe am Ende viel Bereitschaft da gewesen. „Wenn man den Spirit in die Schule bringt, dann kann man eine große Menge von Leute aktivieren. Auch Lehrkräfte, die sich davor nicht mehr richtig aktiv eingesetzt haben, werden von dem Spirit gepackt“, erklärt der Fortbildner. Entscheidend sei, dass durch die Barcamps ein Format geschaffen werde, in dem Menschen ihre Expertise einbringen können und Raum ist für Austausch und Schulentwicklung.

– Prüfungen als Hebel für Veränderungen –

Prüfungen seien der Flaschenhals, an dem alles scheitert, was man an Schulen Neues aufsetzen möchte. „Wir alle, die am Institut für zeitgemäße Prüfungskultur mitwirken, haben die Erfahrung gemacht, dass wenn man Projekte angestoßen hat, es am Ende immer hieß ‘Ja, aber es kommen ja die Prüfungen und auf die muss ich vorbereiten’. Der Hebel sind also nicht unbedingt die Lehrpläne, sondern die Prüfungen“, so Mihajlović. Ziel des Instituts sei es, Ansätze zu liefern, wie es im Unterricht, aber auch beim Schulabschluss anders gehen könnte. „Es gibt schon gute Ansätze und andere Länder machen es schon anders. Dänemark hat seit über 10 Jahren Prüfungen mit Internet. Wir müssen das nicht erfinden.“ Die Prüfungs-Stress-Situation sei künstlich geschaffen und finde sich im Arbeitsleben so nicht wieder. „Später im Leben gibt es nie eine Situation, in der man sich nicht austauschen und recherchieren darf. Bei den Abschlussprüfungen ist Kollaboration, Internet und Austausch verboten und wird als Betrugsversuch gewertet“, kritisiert der Realschullehrer.

Dejan Mihajlović spricht außerdem über die verschiedenen sozialen Medien, die Rolle der Lehrkräfte, die Kultur der Digitalität und deren Entwicklung, die Hintergründe zu seinem Buch und darüber, inwiefern die Pandemie die Skepsis im Kontext der Bildung beeinflusst hat.

(Engl.) Apps für Lehrer und Eltern, Schulautonomie & Datenschutz – Über Bildung in Großbritannien mit Laura McInerney

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(***englisches Interview***)
Laura McInerney war sechs Jahre lang Lehrerin an einer Sekundarschule in London. Heute ist sie Journalistin für die britische Zeitung „The Guardian“ und Mitgründerin der Umfrage-Apps „Teacher Tapp“ und „Parent Ping“. Im Podcast „School must go on“ spricht sie über die Funktionsweise der beiden Apps, die Auswirkungen der Sparmaßnahmen der Regierung im Bildungsbereich und darüber, welche Rolle Schulautonomie und Datenschutz in Großbritannien spielen.

– Das Teilen von Informationen ist etwas Gutes –

Die App auf dem Handy der Lehrkräfte bzw. der Eltern pingt einmal am Tag und dann erscheinen Fragen, die beantwortet werden können. Nach der Teilnahme an der Umfrage kann man die Ergebnisse einsehen. „Wenn du eine Lehrkraft bist, bist du meistens nur in deinem eigenen Klassenzimmer und bekommst nicht zu sehen, was in den Klassenzimmern anderer Leute passiert“, so die Journalistin. Die Apps geben jedem die Möglichkeit, zu verstehen, was bei den Kollegen oder bei anderen Eltern passiert. „Wir benutzen diese Einblicke zum Informieren von Regierungen, politischen Entscheidungsträgern und Technologieunternehmen, damit sie ihr Produkt verbessern können“, erklärt Laura McInerney.
In England habe das Statistikamt „Teacher Tapp“ bspw. benutzt, um einen Blick auf die Arbeitsstunden der Lehrer zu werfen, und um herauszufinden, wie gut Bildung im Homeschooling funktioniert. „Wir konnten sehr genaue Statistiken erstellen, was wirklich fantastisch ist“, schwärmt die ehemalige Lehrerin. „Wenn man einmal das Gefühl überwunden hat, dass das Teilen von Informationen unangenehm ist und sich bewusst macht, dass es sogar positiv ist, sie zu teilen, werden gute Dinge passieren.“

– Kürzungen des Schulbudgets und deren Folgen –

2018 habe es über „Teacher Tapp“ die ersten Befragungen zu Laptops und digitalen Geräten an Schulen gegeben: „Wir haben gesehen, dass sie allmählich weniger benutzt werden“, so Laura McInerney. Der Grund dafür sei gewesen, dass es seit 2010 Sparmaßnahmen durch die Regierung gegeben habe, die auch zur Kürzung des Schulbudgets geführt haben. Die zehn Jahre davor sei viel Technik an die Schulen gebracht worden, sodass die gesamte Soft- und Hardware mittlerweile veraltet ist und Lizenzen nach und nach ausgelaufen sind, ohne dass sie erneuert wurden. „Als die Pandemie kam, waren wir sehr schlecht ausgestattet. Die meisten Schulen hatten vielleicht ein paar Laptops, aber es war insgesamt nichts, worin die Leute investiert haben“, resümiert die Mitgründerin. Es habe jedoch eine Entwicklung stattgefunden, sodass der Unterricht zu Hause im Vergleich zu den ersten Schulschließungen letztes Jahr deutlich besser funktioniert.

– Schulautonomie und Datenschutz –

In Großbritannien entscheiden die Schulen viel selbst und es gibt wenig Vorgaben durch die Bildungspolitik. Es gebe zwar sogenannte „academy trusts“, die ein Zusammenschluss verschiedener Schulen sind und somit auch gemeinsam Entscheidungen treffen, diese seien jedoch sehr selten, sagt McInerney. „Wir haben 24.000 Schulen, die alle ihr eigenes Ding machen, ohne einen strategischen Fokus und das im Kontext von Budgets, die seit etwa einem Jahrzehnt gekürzt werden“, so Laura McInerney.
Anbieter und Anwendungen wie Microsoft Teams und Google Classrooms hätten sich daher mit der Zeit an den Schulen durchgesetzt. „Wir haben kulturell bezüglich der Daten nicht die gleichen Bedenken wie in anderen Ländern. Wir haben auch nicht die gleichen Bedenken bezüglich des Arbeitens mit großen Konzernen“, erklärt die Journalistin. Dazu komme, dass man es in Großbritannien gewohnt sei, mit amerikanischen Produkten zu arbeiten und ebenso ein Englisch sprechendes Land sei. „Deshalb haben sich gewisse Anbieter wirklich guter Lernplattformen durchgesetzt.“

Zudem spricht Laura McInerney über ihre Arbeit als Journalistin, Lernmanagementsysteme und Schule während der Schulschließungen.

Über diesen Podcast

Der Podcast „School must go on“ entstand während der Schulschließungen im Frühjahr 2020. Für Bildungsunternehmer Stephan Bayer (sofatutor.com) und Podcaster Philipp Glöckler war klar, dass das Lernen immer weitergeht – auch wenn es zunächst unvorstellbar schien.

Mit spannenden Denkanstößen und gelungenen Praxisbeispielen macht Stephan Bayer den Schulen Mut, sich nachhaltig und sinnstiftend weiterzuentwickeln. Er tauscht sich dazu jede Woche mit Lehrkräften, Bildungsexpert*innen und Familien über Themen wie Krisenmanagement, digitale Bildung oder neue Lernkonzepte aus. Seine Gäste zeigen, dass neue Bildung unkompliziert gelingen kann, wenn man mit Herz und Verstand zur Tat schreitet.

Für Ideen & Anmerkungen:

podcast@sofatutor.com

Für mehr Infos:

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/bayerstephan/

Twitter: https://twitter.com/stephan_bayer_

Web: https://www.sofatutor.com/

von und mit Stephan Bayer

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